• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Infotainment Evolution der Pferde

Evolution

Entwicklungsgeschichte



"(Fossilien)... sind Tiere, genauso voll des Lebens wie ihr es seid, obwohl sie an anderen Punkten des endlosen Stroms der Zeit auftreten. Innerhalb ihrer eigenen Abschnitte dieses Stroms, atmen sie, essen, trinken, vermehren sie sich, kämpfen sie, und leben ihr eigenes Leben..." (nach Simpson, 1961, S. XXXIV)

Rekonstruktion oder Skelett? Wie zeigt man die Vorfahren der Pferde am besten?

Gemäß dem o.g. Ausspruch von George Gaylord Simpson, einem der bedeutenden Wirbeltierpaläontologen des letzten Jahrhunderts, sollen auf diesen Seiten auch Rekonstruktionen gezeigt werden. Handelt es sich dabei nicht um reine Fantasie, wie es  ein so verdienstvoller Paläontologe wie Thewissen einschätzt? 
Bei lebenden Equiden genügt ein Blick auf Ohrlänge, Fellfarbe und -zeichnung, die Kastanien und die Größe um in den meisten Fällen eine Art, oder gar Unterart zu bestimmen. Alles Merkmale, die bei fossilen Pferden nicht mehr vorhanden sind. Diese Merkmale unterliegen jedoch bestimmten, bekannten Umweltparametern:
So ist ein rotbraunes Haarkleid mit hellerem Bauch und helleren Flanken eine Fellzeichnung, die bei allen Huftieren, besonders den Waldbewohnern, vorkommt. Diese Färbung wird als ursprünglich eingestuft. Typisch für Waldbewohner ist auch ein schwarzbraunes oder dunkelgraues Haarkleid. Umrissauflösende Zeichnungen sind besonders bei Jungtieren zu beobachten. So haben alle jungen Tapire eine Fellzeichnung aus hellen Punkten, Längs- und Schrägstreifen, die sie mit zunehmendem Alter verlieren. Diese Färbung ist ein ontogenetisches Merkmal, das die frühen Unpaarhufer wohl auch als Erwachsene besaßen.

Steppentiere dagegen sind oft heller gefärbt, gelbliche gelbbraune hellbraune und hellgraue Felltöne treten häufig auf. Tiere der Kältesteppen und Tundra haben oft ein helleres oder gar weißes Winterfell.
Auch bei Steppentieren trifft man auf auffallende Fellzeichnungen wie die Zebrastreifen, die sich laut Prof. Grzemik in der Entfernung in ein tarnfarbenes Grau auflösen. Simpson meinte gar: "Es ist falsch von Zebras als gestreiften Pferden zu sprechen, vielmehr sollte man Pferde als streifenlose Zebras bezeichnen." Obwohl humoristisch gemeint, enthält dies Bonmot einen guten Schuss Wahrheit: Die Stammform der Gattung Equus stand den Zebras anatomisch näher als den Pferden. Fast alle heutigen Equiden weisen Reste von Streifung auf, die Pferde der Vergangenheit waren wahrscheinlich lebhafter gefärbt als die heutigen. 

Die Ohrlänge ist ebenfalls von der Temperatur abhängig: Wüstenbewohner (Esel!) haben die größten Ohren und nutzen sie um Wärme abzugeben, dagegen haben Tiere der kalten Zonen, wie Shetties oder Yakutponies, sehr kleine Ohren um die Körpertemperatur zu erhalten.
Für die Ausprägung der Mähne gibt es ebenfalls Hinweise: Die fallende, wallende Mähne des Pferdes entstand  erst in historischer Zeit. Davor hatten alle Equiden eine stehende Mähne ohne, oder mit nur angedeutetem Stirnschopf. Es könnte jedoch sein, dass die Mähne früher über den gesamten Rücken lief. Dies tritt heute noch als ontogenetisches Merkmal bei jungen Grevy-Zebras auf, die bekanntlich Equus simplicidens anatomisch sehr nahe stehen.  

Selbst bei den älteren Pferdeverwandten, gibt es Fossilfunde bei denen Abdrücke von Fell und sogar von Organen erhalten blieben. So wissen wir, dass die Propaläotherien vor 49 Millionen Jahren nur eine spärliche Stehmähne und eine Schweifquaste besaßen.

Die Fellzeichnungen und Farben entsprechen im Detail nicht der einstigen Realität, wohl aber der Gesamteffekt, wenn der Paläo-Lebensraum korrekt berücksichtigt wird.  Dies ist es, was eine Rekonstruktion zeigen soll. Jeder isolierte Zahn, der vermessen und katalogisiert wird, gehörte einmal zu einem lebenden Tier. Es ist falsch, Fossilien als isolierte Objekte zu betrachten.
Dagegen ist die Abbildung von kompletten Skeletten ebenso ungenau wie die Rekonstruktionen. Bestimmungsmerkmale lassen sich anhand von Zeichnungen oder Fotos, in den Formaten wie sie im Internet üblich sind, nicht abbilden - die Variationsbreite ist zu groß und der Informationsgehalt zu gering. Selbst ein Fachmann kann,  bei den üblichen, maßstabslosen Skelettzeichnungen ohne Angabe von Fundort und stratigraphischer Schicht nur im Ausnahmefall entscheiden, ob es sich z.B. um  die Gattung Hyracotherium, Pliolophus oder Protorohippus handelt - von der Art ganz zu Schweigen. Es sei denn, die Abbildung an sich wird wiedererkannt. Doch ein derartiges Wiedererkennen hat nichts mit einer Bestimmung gemein.

Fortsetzung folgt..

 

 

Design by i-cons.ch / etosha-namibia.ch